
Profil
Prof. Dr. Stefan Brall ist Professor für „Bildung und Erziehung im Kontext von Sozial- und Kindheitspädagogik" an der Hochschule Düsseldorf (HSD). Seit 2019 leitet er die HSD-Akademie für Sozial- und Kulturwissenschaften, und seit 2024 ist er zudem Studiendekan des Fachbereichs. Seinen akademischen Weg begann er mit dem Studium der Sozialen Arbeit und der Erziehungswissenschaften, bevor er an der RWTH Aachen und der TU Dortmund promovierte.
Über viele Jahre hat Stefan Brall Sozial- und Bildungseinrichtungen, Hochschulen und Forschungsorganisationen in ihrer Entwicklung begleitet – von der Zusammenarbeit in Teams über die Gestaltung von Organisationen bis hin zur Konzeption zeitgemäßer Bildungsangebote. In Forschung und Lehre bewegt er sich an den Schnittstellen von Bildungswissenschaften und Sozialer Arbeit und bringt dabei individuelles Lernen und organisationale Entwicklung zusammen. Seine Beratungsarbeit ist systemisch fundiert: Stefan Brall ist Systemischer Coach (SG) und Systemischer Supervisor (SG i.A.).
Was mich antreibt
Wenn ich gefragt werde, was mich in meiner Arbeit antreibt, komme ich früher oder später immer auf den Ort zu sprechen, an dem ich lebe. Ich wohne in Hergenrath, unmittelbar an der belgisch-deutschen Grenze, in einer Region, in der die Geschichte die Grenzen selbst immer wieder verschoben hat. Wer hier durch die Wälder geht, stößt auf alte Grenzsteine aus Epochen, die längst vergangen sind, auf Inschriften von Staaten, die es nicht mehr gibt. Was damals trennte, verbindet heute. Was unumstößlich schien, war es nie. Ovid hat das vor zweitausend Jahren auf eine Formel gebracht, die hier, zwischen alten Grenzsteinen und neuen Wegen, fast greifbar wird: Omnia mutantur – alles ist im Wandel.
Wenige Kilometer entfernt liegt der Ort La Calamine, wo seit dem Mittelalter Bleierz abgebaut wurde. Schon dieser Rohstoff erzählt eine Geschichte der Verwandlung: Behutsam erhitzt, durchläuft das graue Blei verschiedene Stadien. Es wird weiß, nimmt das Ocker der Litharge an und wird schließlich zum leuchtenden Rot des Minium. Derselbe Stoff, dieselbe Wärme, und doch entsteht je nach Weg etwas völlig anderes. Diese Farben prägen auch die Gestaltung dieser Webseite, weil sie sichtbar machen, worum es mir geht: Nicht die Wärme allein entscheidet, was entsteht. Die Möglichkeit zur Verwandlung liegt bereits im Material selbst.
Etwas von dieser Erfahrung findet sich auch in meiner Arbeit als Entwicklungsbegleiter wieder. Grenzen in Organisationen, in Teams, in der eigenen Biografie gelten oft dann als unüberwindlich, wenn man sie noch nicht von der anderen Seite betrachtet hat. Was als fest erlebt wird, ist häufig das Ergebnis von Gewohnheit, Geschichte oder unhinterfragten Vorannahmen. Entwicklung beginnt dort, wo diese Setzungen sichtbar und damit verhandelbar werden.
Ich schaffe Räume, in denen Menschen innehalten, ihre eigenen Muster erkennen und Entwicklungswege finden können, die zu ihnen passen. Manchmal in vielen kleinen Schritten und manchmal mit einem großen Sprung. Als Entwicklungsbegleiter gehe ich mit Ihnen ein Stück dieses Weges. Aufmerksam dafür, dass das Tempo stimmt, Herausforderungen sichtbar werden und Konflikte nicht liegen bleiben. So kann nach und nach etwas Neues entstehen, das trägt.
Grundsätze meiner Arbeit
Ausgangspunkt ist oft eine konkrete Frage oder ein drängender Konflikt.
Wir bleiben dabei aber nicht stehen. Mit meiner systemischen Haltung gehe ich mit Ihnen den tieferliegenden Mustern nach. Nicht nur um zu analysieren, sondern um nachhaltige Veränderung möglich zu machen.
Neugier ist meine Arbeitsweise.
Ich experimentiere gerne, denke in Möglichkeiten und suche nach Lösungen, die noch nicht auf der Hand liegen. Was wir ausprobieren, passen wir gemeinsam an, so lange, bis es wirklich trägt.
Beziehung ist der Rahmen, in dem Entwicklung passiert.
Veränderung braucht Vertrauen – und Vertrauen braucht Zeit. Ich investiere bewusst in die Qualität unserer Arbeitsbeziehung, weil sie die Grundlage für alles ist, was danach kommt.
Ich schaffe Raum für das, was (noch) nicht gesagt werden kann.
Nicht alles lässt sich sofort in Worte fassen, denn manche Themen brauchen Schutz, bevor sie sichtbar werden können. Ich begleite diesen Prozess mit Einfühlungsvermögen und Sorgfalt: aufmerksam für das Unausgesprochene, verlässlich im Umgang mit dem Anvertrauten.
Ich arbeite gerne mit Menschen, die etwas bewegen wollen.
Ich bin offen für Personen, Teams und Initiativen, die mich für ihr Anliegen gewinnen können und bereit sind, sich selbst dabei in Frage zu stellen.
Entwicklung ist keine Einbahnstraße.
Ich verstehe mich selbst als Lernenden und entwickle mich in der Arbeit mit Ihnen weiter. Jede Begegnung bringt neue Perspektiven für beide Seiten. Sie sind Expert*in für ihre eigene Situation. Ich bringe Methode, Erfahrung und einen unverstellten Blick von außen mit.
Nicht jede Grenze darf verschoben werden.
Die Würde des Menschen, die Menschenrechte und der Schutz von Kindern sind für mich unverhandelbar, ebenso wie Freiheit, Gleichheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit: Anspruch und Auftrag zugleich, die immer wieder neu verteidigt werden müssen. Rechtspopulistischen Parolen und vergleichbaren Angriffen auf diese Werte stelle ich mich entgegen. Für Personen und Organisationen, die solche Positionen zu ihrem Anliegen machen, stehe ich nicht zur Verfügung. Begegnen sie mir dennoch, etwa als Teil eines Teams oder einer Organisation, die ich begleite, sorge ich dafür, dass diese Haltungen dort keinen Raum gewinnen.